Köln ist Karnevalsmetropole, Rheinstadt – und einer der wichtigsten Medienstandorte Europas. Rund ein Drittel aller deutschen Fernsehsendeminuten entsteht hier, im Schnitt laufen täglich mehr als zwei Filmproduktionen im öffentlichen Raum. WDR, RTL-Gruppe, die riesigen MMC Studios in Ossendorf: Die Stadt hat eine Infrastruktur, die selbst internationale Produktionen anzieht. Von der gotischen Kathedrale bis zum Techno-Club, vom Gründerzeit-Altbau bis zu Europas höchsten Filmstudios – Köln als Drehort bietet eine Vielfalt, die in Deutschland ihresgleichen sucht.
Dieser Guide führt euch zu den spannendsten Drehorten in Köln – vom Dom, der seit Jahrzehnten den Tatort prägt, über die Stromberg-Brücke in Braunsfeld bis zu den Studios, in denen Oscar-prämierte Filme wie Der Vorleser entstanden. Ob ihr auf den Spuren von Til Schweiger, Christoph Maria Herbst oder Adam Driver durch die Veedel wandert: Hier findet ihr die besten Filmlocations der Domstadt.
Inhaltsverzeichnis
Drehorte in Köln auf der Karte
Köln als Filmstadt: Vom WDR-Pionier zur Medienmetropole
Kölns Geschichte als Filmstadt ist eng mit dem Fernsehen verknüpft. Der Westdeutsche Rundfunk, Deutschlands größte ARD-Anstalt, hat seinen Hauptsitz in der Domstadt und produziert seit den 1950er Jahren Fernsehgeschichte. Rund um den Sender entstand früh eine Produktionslandschaft, die Köln zum wichtigsten Fernsehstandort Westdeutschlands machte. In den 1980er Jahren kam die Lindenstraße dazu – die erste deutsche Seifenoper, 35 Jahre lang auf einem eigens errichteten Set in Köln-Bocklemünd gedreht. Die 150 Meter lange Straßenkulisse mit ihren Fassaden, dem griechischen Restaurant „Akropolis“ und dem Kino „Astor“ wurde für Millionen Zuschauer zur vertrauten Nachbarschaft. Als in den 1990er Jahren die RTL-Gruppe nach Köln zog und Til Schweigers Komödie Der bewegte Mann (1994) komplett in Kölner Straßen entstand, war die Stadt endgültig in der Kinoliga angekommen. Heute sitzen neben dem WDR und RTL auch VOX, SUPER RTL, ntv und Phoenix am Rhein.
Die MMC Studios in Ossendorf, besser bekannt als Coloneum, zählen zu den größten Filmstudiokomplexen Europas. Auf 157.000 Quadratmetern mit 20 Studios entstehen hier täglich Serien, Shows und internationale Kinofilme. Pro Tag laufen im Kölner Stadtgebiet 2,5 Produktionen, wie die Filmstiftung NRW dokumentiert. Der Verein Köln im Film erforscht mittlerweile über 125 Jahre Film- und Kinogeschichte der Domstadt.
Innenstadt und Dom: Drehorte im Herzen von Köln
Kaum ein Bild steht so sehr für Köln wie der Dom mit der Hohenzollernbrücke im Vordergrund. Diese Silhouette taucht in dutzenden Filmen und Serien auf – von Tatort-Folgen über Kinokomödien bis zu Hollywood-Actionfilmen. Die Innenstadt rund um Dom, Hauptbahnhof und das Studentenviertel an der Zülpicher Straße ist deshalb die dichteste Ansammlung von Filmlocations in Köln. Auf wenigen Quadratkilometern liegen Drehorte für völlig unterschiedliche Genres dicht beieinander: romantische Szenen auf der Liebesschlösser-Brücke, derbe Komödien-Kulissen im Wartesaal, knallharte Krimi-Atmosphäre unter dem gotischen Schatten des Doms.
Kölner Dom und Wartesaal – Knockin‘ on Heaven’s Door und Tatort Köln
Der Kölner Dom, 157,38 Meter hoch, ist nicht nur Wahrzeichen der Stadt, sondern auch ihr meistgefilmtes Bauwerk. In über 70 Folgen des Tatort Köln taucht die gotische Kathedrale im Hintergrund auf – oft in den Schlussszenen, wenn die Kommissare Ballauf und Schenk einen Fall gelöst haben. Die Krimireihe mit Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär läuft seit 1997 und nutzt das Stadtbild so intensiv wie kaum eine andere Serie.
Direkt am Hauptbahnhof liegt der Wartesaal am Dom, ein historisches Restaurant mit hohen Decken und Jugendstil-Elementen, in der Weimarer Republik eine der ersten Adressen der Stadt. In Knockin‘ on Heaven’s Door (1997) mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers funktionierte das Filmteam den Wartesaal zur Bordell-Kulisse um. Zwei todkranke Männer begeben sich auf einen letzten Road Trip – dafür brauchte es genau die Mischung aus Grandezza und leichtem Verfall, die den Wartesaal in den 1990er Jahren auszeichnete. Der Kultfilm wurde zum Überraschungserfolg und zählt bis heute zu den beliebtesten deutschen Roadmovies. Auch die Daily Soap Köln 50667, seit 2013 auf RTL II, dreht regelmäßig in der Domumgebung: Die Kunstbar am Chargesheimer Platz 1, direkt gegenüber der Kathedrale, gehört zu den wiederkehrenden Schauplätzen der Serie. Der Dom selbst, UNESCO-Welterbe seit 1996, wurde zwischen 1248 und 1880 erbaut und war bis 1884 das höchste Bauwerk der Welt.
Hohenzollernbrücke – Collide und die Tatort-Wurstbraterei

Direkt am Dom beginnt die Hohenzollernbrücke – und damit einer der romantischsten Drehorte in Köln. Im Actionthriller Collide (2016) mit Nicholas Hoult und Felicity Jones inszenierte Regisseur Eran Creevy hier eine der emotionalsten Szenen des Films: den Kuss zwischen Casey und Juliette vor dem beleuchteten Dom. Die 1907 bis 1911 erbaute Eisenbahnbrücke wurde am 6. März 1945 zerstört, ab 1948 wieder für Fußgänger passierbar und bis 1959 vollständig wiederaufgebaut. Über 1.200 Züge überqueren sie täglich – das macht sie zur meistbefahrenen Eisenbahnbrücke Deutschlands. Für Filmcrews hat die Brücke einen besonderen Reiz: Die Kombination aus gotischer Kathedrale, Rheinpanorama und vorbeidonnernden Zügen gibt jeder Szene eine dramatische Kulisse.
Auf der Deutzer Seite der Brücke steht ein Imbisswagen, der für Tatort-Fans Kultstatus hat: die Wurstbraterei. In zahllosen Folgen treffen sich Ballauf und Schenk hier zum Currywurst-Essen mit Domblick. Der kleine Wagen ist so eng mit dem Tatort Köln verbunden, dass er in der Serie fast eine eigene Figur ist. An manchen Sonntagabenden, wenn eine neue Folge läuft, pilgern Fans zum echten Standort. Die Brücke selbst ist berühmt für die hunderttausenden Liebesschlösser an ihrem Geländer, die Paare aus aller Welt hier befestigen. Auch Generation Beziehungsunfähig (2021) mit Frederick Lau nutzte die Hohenzollernbrücke für Szenen, die den romantischen Charakter des Ortes einfangen.
Zülpicher Straße – Collide und Generation Beziehungsunfähig
Vom Rheinufer sind es nur wenige Gehminuten ins Studentenviertel rund um die Zülpicher Straße – im kölschen Dialekt liebevoll „Kwartier Latäng“ genannt. In Collide (2016) entstanden hier Bar-Szenen, die das Nachtleben der Stadt einfangen. Der Actionthriller mit Nicholas Hoult, Felicity Jones und Anthony Hopkins war einer der wenigen Hollywood-Filme, die direkt im Kölner Stadtgebiet entstanden, und nutzte die Atmosphäre des Viertels für die Kennenlern-Szenen der Hauptfiguren.
Generation Beziehungsunfähig (2021) nutzte die Uni-Mensa an der Zülpicher Straße 70 und die umliegenden Straßen für zahlreiche Szenen. Der Film nach dem Bestseller von Michael Nast zeigt Kölner Nachtleben und Dating-Kultur aus der Perspektive von Millennials, die zwischen Bindungsangst und Sehnsucht nach Nähe schwanken. Die Zülpicher Straße ist Kölns Kneipenmeile Nummer eins, an Karneval einer der absoluten Hotspots – und damit auch für Filmproduktionen attraktiv, die das junge, lebendige Köln einfangen wollen. Wer abends herkommt, findet die Bar-Szenen aus Collide erstaunlich nah an der Realität.
Südstadt und Rheinauhafen: Gründerzeit trifft Moderne
Südlich der Altstadt zeigt Köln zwei ganz unterschiedliche Gesichter: Die Südstadt mit ihren Gründerzeit-Fassaden und gemütlichen Kneipen steht in reizvollem Kontrast zum futuristischen Rheinauhafen mit seinen berühmten Kranhäusern. Beide Viertel sind beliebte Filmlocations.
Südstadt – Generation Beziehungsunfähig und Köln 50667

In Generation Beziehungsunfähig (2021) mit Frederick Lau und Luise Heyer spielt die Südstadt eine zentrale Rolle. Die Kneipe Schnörres an der Dreikönigenstraße 2 ist Stammtreffpunkt der Hauptfiguren und taucht in zahlreichen Szenen auf. Regisseurin Helena Hufnagel wählte die Location, weil sie das typische Südstadt-Flair perfekt einfängt: gemütlich, ein bisschen alternativ, mit viel Charakter. Die Dreikönigenstraße mit ihren kleinen Läden und Eckkneipen ist genau die Art von Kölner Straße, in der man sich vorstellen kann, dass die Filmfiguren tatsächlich leben.
Abseits der Kamera ist die Südstadt eines der beliebtesten Wohnviertel Kölns, geprägt von geschlossener Gründerzeit-Bebauung rund um den Chlodwigplatz und dem Volksgarten als grüner Oase. Die Severinstorburg, eines der letzten erhaltenen mittelalterlichen Stadttore, erinnert an die lange Geschichte des Viertels. Auch Köln 50667 dreht regelmäßig in der Südstadt, etwa Kiosk-Szenen an der „Bunten Tüte“.
Rheinauhafen und Kranhäuser – Köln 50667

Am Rhein entlang Richtung Norden gelangt man zum Rheinauhafen, Kölns spektakulärstem Stadtentwicklungsprojekt der letzten Jahrzehnte. Wo früher Frachtschiffe anlegten und Lagerhäuser das Bild prägten, entstand zwischen 2002 und 2010 ein modernes Wohn- und Büroviertel. Die drei Kranhäuser, entworfen von Bothe Richter Teherani und Linster, ragen mit ihrer markanten L-Form rund 70 Meter in die Höhe. Die Idee dahinter: Die Gebäude sollen an die historischen Hafenkräne erinnern, die einst am Kai standen. Mit ihren auskragenden Obergeschossen über dem Wasser sind sie längst zum neuen architektonischen Wahrzeichen geworden.
In der Daily Soap Köln 50667 wohnt die Figur Max standesgemäß im Kranhaus 1 am Zollhafen – die ikonische Architektur wird so zum wiederkehrenden Hintergrund der Serie. Die Wahl ist kein Zufall: Das Kranhaus steht für Aufstieg und den Lifestyle, den die Serie vermitteln will. Gleich nebenan liegt das Schokoladenmuseum, und die frei zugängliche Rheinpromenade bietet einen der schönsten Spaziergänge der Stadt mit Blick auf Dom, Altstadt und vorbeifahrende Rheinschiffe.
Belgisches Viertel und Ehrenfeld: Kölns kreative Filmkulissen
Vom hippen Hafenviertel ins kreative Herz der Stadt: Das Belgische Viertel und das angrenzende Ehrenfeld sind die Ecken, in denen Köln am urbansten wirkt. Galerien, Street Art, alternative Clubs und eine lebendige Gastronomieszene machen beide Stadtteile zu begehrten Filmlocations – besonders für Produktionen, die das junge, kosmopolitische Köln zeigen wollen.
Belgisches Viertel – Köln 50667, Unter Uns und Generation Beziehungsunfähig

Das Belgische Viertel mit seinen nach belgischen Städten benannten Straßen gehört zu den beliebtesten Drehorten in Köln für TV-Serien. In Köln 50667 ist die Bar 66 an der Brüsseler Straße 66 regelmäßiger Treffpunkt der Seriencharaktere. Die Brüsseler Straße, gesäumt von Concept Stores und Cafés, verkörpert genau das urbane Lebensgefühl, das die Serie transportieren will.
Seit Mai 2023 nutzt auch die RTL-Daily-Soap Unter Uns das Viertel als Außendrehort. Die Serie läuft seit 1994 und wurde zuvor ausschließlich in den MMC Studios produziert – der Schritt in die echte Stadt war ein Novum. Die Bismarckstraße wurde zur fiktiven „Goethestraße“, in der die Serienfamilien leben. Für treue Zuschauer ein kleiner Kulturschock: plötzlich echte Kölner Häuserfassaden statt Studiokulissen. Auch Generation Beziehungsunfähig ließ Szenen in der Bar „Der Weiße Holunder“ drehen. Das Viertel ist geprägt von Gründerzeit-Altbauten, kleinen Galerien und Designerläden und gilt als eines der lebendigsten Quartiere Kölns.
Ehrenfeld und Heliosturm – Köln 50667 und Generation Beziehungsunfähig

Weiter westlich liegt Ehrenfeld – Kölns kreativstes Szeneviertel, in den letzten zwei Jahrzehnten vom Arbeiterviertel zum Hotspot für Kreative gewandelt. In Köln 50667 liegt Alex‘ Loft an der Vogelsanger Straße 193 mitten im Geschehen, zwischen Ateliers, türkischen Bäckereien und Co-Working-Spaces. Generation Beziehungsunfähig nutzte das Gelände rund um den Ehrenfelder Bahnhof und den Heliosturm für mehrere Szenen, die den rauen Charme des Viertels einfangen.
Der Heliosturm, Wahrzeichen des Viertels, geht auf die Helios AG zurück, die hier ab 1884 Leuchtfeuer und Scheinwerfer für die Schifffahrt testete. Das ehemalige Fabrikgelände rund um den Turm ist heute Treffpunkt mit Biergärten und Open-Air-Veranstaltungen. Dazu kommen Street Art an fast jeder Hauswand, alternative Clubs wie das Underground und die Artheater, Craft-Beer-Brauereien und internationale Restaurants. Ehrenfeld hat seinen eigenen Charakter bewahrt – und steht für ein Köln jenseits von Dom und Karneval. Nicht umsonst siedeln immer mehr Produktionsfirmen ihre Büros in diesem Viertel an.
Deutz und rechtsrheinisch: Clubs, Arenen und der Blick auf die Skyline
Auf der anderen Rheinseite zeigt sich Köln von einer ganz anderen Seite. Deutz liegt direkt gegenüber der Altstadt und bietet den besten Blick auf die berühmte Domsilhouette. Hier treffen der wohl bekannteste Imbisswagen der deutschen Fernsehgeschichte, einer der renommiertesten Techno-Clubs Europas und die größte Arena des Landes aufeinander.
Deutz, Bootshaus und KölnTriangle – Generation Beziehungsunfähig, Tatort Köln und Pastewka

Gleich drei bekannte Produktionen nutzten Deutz als Drehort. In Generation Beziehungsunfähig (2021) entstanden Nachtclub-Szenen im Bootshaus am Auenweg 173, einem der bekanntesten Clubs für elektronische Musik in Deutschland. Seit 2002 zieht das Bootshaus internationale DJs an und landet regelmäßig in den Top 10 der weltbesten Clubs – sein industrieller Charme lieferte die ideale Kulisse für die Partyszenen des Films. Die Tatort-Wurstbraterei, Treffpunkt von Ballauf und Schenk in dutzenden Folgen, steht auf der Deutzer Seite der Hohenzollernbrücke mit dem ikonischen Domblick, den Millionen Zuschauer kennen. Der kleine Imbisswagen ist längst selbst zur Sehenswürdigkeit geworden.
In der Sitcom Pastewka (2005–2020) entstand eine Erpressungsszene am Rheinufer in Deutz, im Hintergrund das KölnTriangle. Der 103 Meter hohe Büroturm, 2006 von Gatermann und Schossig fertiggestellt, bietet auf seiner Aussichtsplattform ein 360-Grad-Panorama über die gesamte Stadt. Ebenfalls in Deutz: die Kölner Messe und die Lanxess Arena.
Georg-Büchner-Gymnasium und Lanxess Arena – How to Sell Drugs Online (Fast)
Ebenfalls rechtsrheinisch entstand die Netflix-Hitserie How to Sell Drugs Online (Fast), die zwischen 2019 und 2025 in vier Staffeln erschien. Ein Teenager baut aus seinem Kinderzimmer heraus einen Online-Drogenhandel auf – die Serie wurde zum internationalen Überraschungserfolg und machte das Georg-Büchner-Gymnasium an der Ostlandstraße 39 in Köln-Mülheim zum Drehort. Die Schule stand für die fiktive Schule in „Rinseln“, wobei die Hauptaußendrehorte für die Stadt selbst in Bonn lagen.
Für die vierte Staffel entstanden im August 2024 außerdem Szenen in der Lanxess Arena am Willy-Brandt-Platz, passend zum realen E-Sport-Event IEM Cologne, das in die Handlung integriert wurde. Die 1998 eröffnete Arena fasst 20.000 Zuschauer und ist Deutschlands größte Multifunktionshalle. Neben Konzerten und Sportevents dient sie gelegentlich auch als Filmset.
Marienburg und Sülz: Die Pastewka-Viertel
Zurück auf der linken Rheinseite, im grünen Süden der Stadt, liegen zwei Viertel, die vor allem durch eine Serie bekannt wurden: Pastewka mit Bastian Pastewka nutzte gleich mehrere Adressen in Marienburg und Sülz. Noble Villenstraßen und gemütliche Altbau-Viertel – ein ganz anderes Köln als die quirlige Innenstadt.
Marienburg – Pastewka und Verbotene Liebe
Marienburg ist Kölns Nobelstadtteil: prachtvolle Villen aus Gründerzeit und Jugendstil, parkähnliche Gärten, alter Baumbestand. Ende des 19. Jahrhunderts als exklusive Wohngegend geplant, hat das Viertel seinen Charakter bis heute bewahrt. In der Sitcom Pastewka (2005–2020) spielte Marienburg ab Staffel 6 eine zentrale Rolle. Gleich drei Adressen dienten als Drehorte: Die Kastanienallee 20 war die Außenansicht von Bastians neuer, deutlich schickerer Wohnung nach dem Karriereaufstieg. An der Eugen-Langen-Straße 25 lag Regines Talentagentur in den ersten fünf Staffeln – eine Villa mit Vorgarten, die perfekt zur Figur der etwas überdrehten Agentin passte. Und die Goethestraße 64 stand für das vermeintliche „Haus in Bonn“ in einer der bekanntesten Episoden.
Auch die ARD-Telenovela Verbotene Liebe (1995–2015), über 4.600 Folgen lang im Nachmittagsprogramm, nutzte den Kölner Süden intensiv. Am Stiftswäldchen 1 im angrenzenden Hahnwald stand die Villa der Familie Brandner, 15 Jahre lang Außendrehort der Serie und für viele Zuschauer Inbegriff von Reichtum und Intrige. Marienburg ist öffentlich zugänglich, hat aber kaum Gastronomie. Einfach durch die ruhigen Straßen mit alten Platanen und schmiedeeisernen Zäunen schlendern – die Architektur wirkt auch ohne Kamera filmreif.
Sülz – Pastewka
Nördlich von Marienburg liegt Sülz, ein ruhiges, universitätsnahes Wohnviertel mit Gründerzeit-Altbauten und kleinen Geschäften. In den ersten fünf Staffeln von Pastewka war die Emmastraße 1 die Außenansicht von Bastians bescheidener Wohnung, bevor er in der Serie nach Marienburg „aufstieg“. Der Kontrast zwischen beiden Drehorten erzählt die Geschichte der Figur ohne ein einziges Wort: Die einfache Sülzer Altbaufassade mit leicht abgeblättertem Putz steht für den noch kämpfenden Comedystar, die Marienburger Villa für den Erfolg. Wenige Serien haben die Geografie einer Stadt so clever in ihre Erzählung eingebaut. Wer beide Locations hintereinander besucht, legt die Strecke bequem zu Fuß zurück und erlebt den reizvollen Wechsel vom studentischen Sülz ins villenreiche Marienburg. Sülz grenzt direkt an die Universität zu Köln und ist bei Studenten und jungen Familien beliebt. Die Berrenrather Straße mit ihren kleinen Läden und Cafés hat einen fast dörflichen Charme – eines der gemütlichsten Viertel in ganz Köln.
Braunsfeld und Ossendorf: Kölns Studiostadt
Ganz anders der Kölner Westen. Zwischen Bürovierteln und Gewerbegebieten schlägt das industrielle Herz der Kölner Filmproduktion. In Braunsfeld entstand eine der erfolgreichsten deutschen Comedy-Serien, und in Ossendorf stehen die Studios, in denen von Oscar-Filmen bis zu Samstagabend-Shows alles produziert wird.
Braunsfeld und Technologiepark – Stromberg
Wer die Bürokomödie Stromberg (2004–2012) kennt, kennt auch den Technologiepark Braunsfeld – auch wenn er es vielleicht nicht weiß. An der Eupener Straße 159 lag das fiktive Büro der Capitol Versicherung, in dem Christoph Maria Herbst als Bernd Stromberg acht Staffeln lang und in einem Kinofilm seine Mitarbeiter terrorisierte. Die Serie, inspiriert vom britischen „The Office“, wurde zur erfolgreichsten deutschen Bürokomödie und gewann zahlreiche Preise, darunter Grimme-Preis und Deutschen Comedypreis. Die nüchterne Büroarchitektur mit Glasfassaden und Betonparkplätzen passte perfekt zum tristen Arbeitsalltag der Serie. Wer den Technologiepark besucht, versteht sofort, warum Stromberg morgens so lustlos über die Brücke zur Arbeit schlurft.
Der bekannteste Stromberg-Drehort in Köln ist allerdings nicht das Bürogebäude, sondern die kleine Fußgängerbrücke über den Alten Mauerbach an der Poststraße. Sie taucht im Vorspann jeder Folge auf, wenn Stromberg mit gesenktem Blick und Aktentasche zur Arbeit schlurft. Für Fans ein regelrechter Pilgerort. Man erkennt sie sofort: die schlichte Betonbrücke mit Metallgeländer, Bäume links und rechts, der schmale Bach darunter. An der Eupener Straße 137 lag außerdem der Parkplatz der Capitol Versicherung, Schauplatz zahlreicher Außenszenen. Alle drei Drehorte sind frei zugänglich und lassen sich in einem kurzen Spaziergang verbinden.
MMC Studios und Coloneum – Annette, Der Vorleser und 7 Zwerge
Nur wenige Kilometer nördlich, am Coloneum 1 in Ossendorf, liegt einer der wichtigsten Drehorte in Köln und zugleich einer der bedeutendsten Studiostandorte Europas: die MMC Studios, besser bekannt als Coloneum. 20 Film- und Fernsehstudios auf 157.000 Quadratmetern, Deckenhöhen bis 26 Meter, dazu das größte Tageslicht-Studio Europas. Die schiere Größe ermöglicht es, dass gleichzeitig eine Soap, eine Gameshow und ein Kinofilm produziert werden, ohne dass sich die Teams ins Gehege kommen.
Hier entstanden Kinofilme wie Annette (2021) von Leos Carax mit Adam Driver und Marion Cotillard – ein ungewöhnliches Musical, das in Cannes Premiere feierte. Der Vorleser (2008) mit Kate Winslet, die für ihre Rolle den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann, wurde teilweise in den Kölner Studios produziert. Und 7 Zwerge – Männer allein im Wald (2004) mit Otto Waalkes, einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt, entstand hier zwischen Juli und September 2003.
Auch Jim Jarmusch wählte Köln und filmte in den MMC Studios seinen atmosphärischen Vampirfilm Only Lovers Left Alive (2013) mit Tilda Swinton und Tom Hiddleston. Dass internationale Regisseure das Coloneum ansteuern, zeigt seinen Ruf weit über Deutschland hinaus. Neben Kinofilmen entsteht hier täglich Fernsehprogramm: Die RTL-Daily-Soap Unter Uns wird seit 2000 in den Studios 39 und 40 produziert, ebenso Alles was zählt. Showformate wie Let’s Dance, DSDS, Die Höhle der Löwen und The Masked Singer locken jedes Wochenende tausende Zuschauer ins Coloneum. Das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich, gelegentlich werden aber Führungen angeboten, die einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen.
Kölner Norden: Weidenpesch, Industriebahnmuseum und Nippes
Vom Studio zurück in die echte Stadt: Im Kölner Norden warten drei völlig unterschiedliche Drehorte – eine historische Fußballtribüne, die zur WM-Kulisse wurde, ein altes Bahnbetriebswerk, das zum Berlin der 1920er Jahre mutierte, und ein lebhaftes Veedel mit Wochenmarkt und Gründerzeit-Charme.
Weidenpesch – Das Wunder von Bern
Die Weidenpescher Fußballtribüne ist einer der überraschendsten Drehorte Kölns. 1920 für den VfL Köln 1899 erbaut, gilt sie als eine der ältesten erhaltenen Stadiontribünen Deutschlands. Schlichte Holzkonstruktion, steinerne Stehränge – hier atmet alles den Geist des frühen deutschen Fußballs. Genau das erkannte Regisseur Sönke Wortmann und nutzte die Tribüne für Das Wunder von Bern (2003), seinen Film über das WM-Endspiel 1954 zwischen Deutschland und Ungarn. Zwischen dem 10. Juni und dem 10. August 2002 entstanden hier die Fußball-Szenen des Films, der zum Publikumsliebling wurde und über drei Millionen Zuschauer in die Kinos lockte. Die denkmalgeschützte Tribüne liegt im Weidenpescher Park, einer weitläufigen Grünanlage im Kölner Norden, direkt neben der historischen Galopprennbahn, die seit 1898 in Betrieb ist.
Rheinisches Industriebahnmuseum – Babylon Berlin
In unmittelbarer Nachbarschaft liegt das Rheinische Industriebahnmuseum an der Longericher Straße – ein ehemaliges Bahnbetriebswerk mit historischen Lokomotiven, Waggons und originalen Gleisanlagen. Für Babylon Berlin (2017–2022) von Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten verwandelte sich das Museum in den fiktiven Anhalter Güterbahnhof im Berlin der Weimarer Republik. Historische Transportwaggons und Dampfloks lieferten den Hintergrund für Szenen, in denen Giftgas-Lieferungen über die Schiene transportiert werden. Rußgeschwärzte Hallen, rostige Schienen, der Geruch von Maschinenöl – die authentische Atmosphäre machte aufwendige Kulissenbauten überflüssig. Die Szenen im Museum gehören zu den visuell eindrucksvollsten der gesamten Serie. Babylon Berlin, die teuerste deutsche Serienproduktion aller Zeiten, bewies damit, dass Köln auch als Double für das historische Berlin funktioniert.

Nippes – Köln 50667 und Generation Beziehungsunfähig
Weiter östlich, mitten im lebhaften Nippes, spielen gleich zwei Produktionen. In Köln 50667 liegt Joleens WG an der Schwerinstraße 11 in einer typischen Nippeser Altbauwohnung, das Fitnessstudio Tommys Fit an der Osterrather Straße 7. Die Serie nutzt die authentische Nachbarschaft bewusst als Kontrast zu den schickeren Adressen anderer Figuren. Generation Beziehungsunfähig wählte die Shell-Tankstelle an der Neusser Straße 153 als Schauplatz für eine der einprägsameren Szenen: Hier treffen die Hauptfiguren nachts aufeinander.
Nippes ist ein lebhaftes Veedel, das seinen dörflichen Charakter trotz der Großstadtlage bewahrt hat. Der Wilhelmplatz-Wochenmarkt, einer der größten und beliebtesten der Stadt, findet dienstags und freitags statt. Gründerzeit-Fassaden an der Neusser Straße, inhabergeführte Läden, die Mischung aus Alteingesessenen und Zugezogenen – genau dieser Charakter macht Nippes für Filmproduktionen so attraktiv.
Tipps für Drehort-Fans in Köln
Geführte Filmtouren
Wer die Drehorte in Köln nicht auf eigene Faust erkunden möchte, schließt sich einer geführten Tour an. KölscheKulTOUREN bietet spezielle Filmtouren zu den bekanntesten Drehorten der Stadt, gespickt mit Hintergrundwissen über die Produktionen. Die Guides sind selbst Filmfans und kennen Anekdoten von den Sets, die in keinem Reiseführer stehen. Auch die Köln Tourismus GmbH hat Stadtführungen mit Film-Bezügen im Programm, etwa thematische Rundgänge durch Altstadt oder Belgisches Viertel. Besonders für Tatort-Fans lohnt sich eine Tour entlang der Hohenzollernbrücke mit Stopp an der Wurstbraterei und anschließendem Spaziergang durch Deutz.
Beste Reisezeit
Die meisten Außendrehorte lassen sich am besten zwischen April und Oktober besuchen, wenn das Rheinufer und die Parks zum Spazieren einladen und man die Architektur bei gutem Licht fotografieren kann. Wer Köln zur Karnevalszeit besucht – die „fünfte Jahreszeit“ beginnt offiziell am 11.11. und erreicht ihren Höhepunkt an Weiberfastnacht und Rosenmontag –, erlebt die Zülpicher Straße und die Altstadt im Ausnahmezustand, der an so manche Filmszene erinnert. Im Sommer locken Open-Air-Kinos am Rheinauhafen und auf der Schäl Sick, wie die Kölner die rechtsrheinische Seite nennen.
Anreise und Transport
Köln ist als Verkehrsknotenpunkt bestens angebunden. Der Hauptbahnhof liegt direkt am Dom – also mittendrin im wichtigsten Drehort-Gebiet. Die KVB-Stadtbahn verbindet alle genannten Stadtteile zuverlässig: Linien 1, 7 und 9 decken die meisten Drehorte auf der linken Rheinseite ab, für die rechtsrheinischen Locations in Deutz und Mülheim sind die Linien 1, 3 und 4 praktisch. Besonders empfehlenswert für eine Drehort-Tour: Mit dem KVB-Rad, dem Fahrrad-Leihsystem der Stadt, lassen sich Innenstadt, Südstadt, Belgisches Viertel und Ehrenfeld bequem per Rad verbinden. Die Wege zwischen den innerstädtischen Drehorten sind selten länger als zwei Kilometer.
Eigene Route und Events
Eine gut machbare Tagesroute führt vom Dom über die Hohenzollernbrücke (Wurstbraterei, Collide-Kuss-Szene) nach Deutz. Von dort mit der Stadtbahn zum Rheinauhafen und seinen Kranhäusern, weiter zu Fuß durch die Südstadt (Schnörres aus Generation Beziehungsunfähig) ins Belgische Viertel und zum Abschluss nach Ehrenfeld. Für diese Route einen halben Tag einplanen, mit Pausen zum Fotografieren und Kaffeetrinken. Die Drehorte in Braunsfeld (Stromberg) und Weidenpesch (Das Wunder von Bern) lassen sich als separate Halbtagesausflüge ergänzen.
Wer tiefer in die Kölner Filmwelt eintauchen möchte, findet beim jährlichen Film Festival Cologne aktuelle Produktionen und Branchenevents. Die Datenbank von Location NRW listet über 40 Drehorte im Kölner Raum, darunter Orte abseits der touristischen Pfade. Und wer Glück hat, stolpert bei einem Spaziergang durch die Stadt in einen echten Filmdreh – bei durchschnittlich 2,5 Produktionen pro Tag stehen die Chancen in Köln so gut wie in kaum einer anderen deutschen Stadt.