Drehorte in Düsseldorf: Wo Hollywood auf die Kö trifft

Drehorte in Düsseldorf: Wo Hollywood auf die Kö trifft

Düsseldorf ist eine Filmstadt, die gern unterschätzt wird. Dabei bietet die Landeshauptstadt auf engstem Raum alles, was Regisseure suchen: die gläsernen Fassaden des Bankenviertels, die engen Gassen der Altstadt, den futuristischen Medienhafen, barocke Schlösser im Grünen und dazwischen immer wieder den Rhein. Tom Tykwer verwandelte das Dreischeibenhaus in ein San-Francisco-Hochhaus der 1970er, Florian Henckel von Donnersmarck ließ die Kunstakademie für seinen Oscar-nominierten Film in die Vergangenheit zurückversetzen, und Detlev Buck drehte im Spiegelsaal von Schloss Benrath. Über 80 Filme und mehr als 50 Serien sind in Düsseldorf entstanden – von internationalen Blockbustern über Oscar-nominierte Arthouse-Filme bis zu langjährigen TV-Serien. Und es werden jedes Jahr mehr.

Dieser Artikel nimmt euch mit auf eine ausführliche Tour durch die wichtigsten Drehorte in Düsseldorf. Von der Altstadt über den Medienhafen bis in den grünen Süden: Hier erfahrt ihr, welche Filme und Serien wo gedreht wurden, was die Orte so besonders macht, und bekommt Tipps, wie ihr sie selbst besuchen könnt.

Düsseldorf und der Film: Eine Geschichte seit 1873

Düsseldorfs Verbindung zum Film reicht weiter zurück, als die meisten vermuten. Schon 1873 zog der Projektorhersteller Ed. Liesegang nach Düsseldorf und begann, Filmprojektoren für die entstehenden Kinos zu bauen – die Stadt war damit einer der frühesten Standorte der deutschen Kinotechnik. 1907 erschien in Düsseldorf die erste Kinozeitschrift Deutschlands, „Der Kinematograph“, die zum wichtigsten Branchenblatt der Stummfilmzeit wurde. Und 1924 entstand mit dem Stummfilm „Graf Chargon“ die wohl erste Spielfilmproduktion, die in der Düsseldorfer Altstadt gedreht wurde.

Ein entscheidender Schub kam 1991 mit der Gründung der Film- und Medienstiftung NRW, die ihren Sitz bis Ende 2024 im Düsseldorfer Medienhafen hatte. Mit über einer Milliarde Euro Fördermitteln für mehr als 10.000 Projekte wurde NRW zu einem der wichtigsten Produktionsstandorte in Europa. Regisseure wie Tom Tykwer, Wim Wenders und sogar Hollywood-Größen wie Ron Howard und Jim Jarmusch haben mit Unterstützung der Stiftung in Nordrhein-Westfalen gedreht.

Seit 1993 dokumentiert das Filmmuseum Düsseldorf an der Schulstraße die Geschichte des bewegten Bildes – von den Anfängen der Kinematographie bis heute. Es ist das einzige Filmmuseum in NRW und beherbergt die Filmsammlung des Landes auf 2.200 Quadratmetern. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Filmfans, sondern auch als Ergänzung zu einer Tour entlang der Düsseldorfer Drehorte.

Warum zieht es so viele Produktionen gerade nach Düsseldorf? Die Antwort liegt in der Geographie: Innerhalb weniger Kilometer findet man hier Großstadtkulisse mit Hochhäusern und Glasfassaden, historische Altstadt-Gassen, futuristische Hafenarchitektur, barocke Schlösser inmitten von Parklandschaften und das Rheinufer als verbindendes Element. Diese Vielfalt auf so kleinem Raum spart Produktionskosten und Drehzeit – ein Argument, das Produzenten überzeugt. Dazu kommt die gute Infrastruktur mit Flughafen, Hotels und einer filmerfahrenen Stadtverwaltung, die Drehgenehmigungen unbürokratisch erteilt.

Drehorte in Düsseldorf: Stadtmitte und Altstadt

Im Herzen von Düsseldorf konzentrieren sich einige der markantesten Drehorte auf wenigen Quadratkilometern. Zwischen der „längsten Theke der Welt“ in der Altstadt und den Hochhäusern rund um die Königsallee liegen Bauten, die schon als Kulisse für Hollywood-Produktionen, Oscar-nominierte Filme und langjährige TV-Serien gedient haben. Die architektonische Vielfalt macht den Reiz aus: Vom modernistischen Dreischeibenhaus der 1960er-Jahre bis zur ehrwürdigen Kunstakademie am Rheinufer ist es nur ein kurzer Spaziergang. Dazwischen liegen die Königsallee als glamouröse Flaniermeile und die verwinkelte Altstadt mit ihren historischen Fassaden – jeder Drehort erzählt eine andere Geschichte.

Dreischeibenhaus – Cloud Atlas

Das Dreischeibenhaus in Düsseldorf
Das Dreischeibenhaus in Düsseldorf-Stadtmitte – Drehort für Cloud Atlas und weitere Produktionen

„Cloud Atlas“ (2012) ist einer der ambitioniertesten Filme der jüngeren Kinogeschichte: Sechs miteinander verwobene Geschichten aus unterschiedlichen Epochen, erzählt von einem Regieteam bestehend aus Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern. Als die Regisseure 2011 einen Drehort für die Luisa-Rey-Handlung suchten, fiel ihre Wahl auf Düsseldorf – genauer gesagt auf das Dreischeibenhaus an der August-Thyssen-Straße. In den San-Francisco-Szenen der 1970er-Jahre spielt Halle Berry eine Investigativ-Journalistin, die einem Korruptionsskandal in der Atomindustrie auf der Spur ist. Um die Illusion perfekt zu machen, parkten vor dem Gebäude Vintage-Autos amerikanischer Marken – Düsseldorf wurde so für einige Drehtage zu San Francisco.

Das Dreischeibenhaus selbst ist ein Stück Architekturgeschichte. Zwischen 1957 und 1960 von Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg erbaut, war es Deutschlands erstes Hochhaus mit vorgehängter Glasfassade. Die drei gestaffelten Scheiben ragen 94 Meter in die Höhe und stehen seit dem Jahr 2000 unter Denkmalschutz. Wer heute vor dem Gebäude steht, kann sich die Szene gut vorstellen: Die breite Freifläche zwischen Dreischeibenhaus und Schauspielhaus am Gustaf-Gründgens-Platz bot genug Platz für die amerikanischen Oldtimer, die hier aufgereiht wurden. Das Gebäude ist von außen jederzeit zugänglich, auch wenn die Innenräume als Büroflächen nicht öffentlich sind. Einen guten Blick auf die markante Fassade bekommt man vom Hofgarten oder von der gegenüberliegenden Straßenseite.

Nur wenige Gehminuten rheinabwärts liegt ein weiterer Drehort, der für einen der erfolgreichsten deutschen Filme der letzten Jahre stand.

Kunstakademie – Werk ohne Autor

Die Kunstakademie Düsseldorf
Die Kunstakademie Düsseldorf – hier drehte Florian Henckel von Donnersmarck Szenen für Werk ohne Autor

Für seinen Film „Werk ohne Autor“ (2018) wählte Florian Henckel von Donnersmarck die Düsseldorfer Kunstakademie als einen der zentralen Drehorte. Der Film erzählt die Geschichte des fiktiven Künstlers Kurt Barnert, gespielt von Tom Schilling, dessen Biografie lose auf dem Leben von Gerhard Richter basiert – dem berühmtesten Absolventen und späteren Professor der Akademie. Für die Dreharbeiten wurde die Akademie in ihren Zustand der 1960er-Jahre zurückversetzt: Studentenwerke wurden beiseite geräumt, die Räume mit zeitgenössischem Mobiliar ausgestattet. Der Aufwand hat sich gelohnt – „Werk ohne Autor“ erhielt zwei Oscar-Nominierungen, für den Besten internationalen Film und die Beste Kamera (Caleb Deschanel).

Die Kunstakademie selbst wurde 1773 gegründet und zählt zu den ältesten und renommiertesten ihrer Art in Europa. Der markante Bau mit seiner Kuppel steht direkt am Rheinufer in der Altstadt. Neben Gerhard Richter lehrten und studierten hier Künstler wie Joseph Beuys, Andreas Gursky und Jörg Immendorff. Richter lehrte von 1971 bis 1993 an der Akademie und entwickelte dort seine berühmten verwischten Gemälde zwischen Fotorealismus und Abstraktion. Im Film wird diese kreative Aufbruchsstimmung spürbar – die Szenen an der Akademie gehören zu den eindrucksvollsten Momenten von „Werk ohne Autor“. Als aktive Hochschule ist die Akademie normalerweise nicht öffentlich zugänglich, doch beim jährlichen Rundgang im Februar öffnet sie ihre Türen für Besucher – ein Termin, den sich Kunst- und Filmfans gleichermaßen vormerken sollten.

Von der Kunst geht es zur Kö – denn auch Düsseldorfs berühmteste Einkaufsstraße hat vor der Kamera eine lange Geschichte.

Königsallee – Verbotene Liebe, Alarm für Cobra 11 und King of Stonks

Die Königsallee, kurz „die Kö“, ist seit Jahrzehnten ein beliebter Drehort in Düsseldorf. In der ARD-Daily-Soap „Verbotene Liebe“ (1995–2015) war die luxuriöse Flaniermeile regelmäßig als Kulisse zu sehen – die Kö verkörperte dabei die Welt der wohlhabenden Familien, um die sich die Serie drehte. Ganz anders nutzte „Alarm für Cobra 11″ die Straße: Für Dreharbeiten der RTL-Actionserie wurden Parkbuchten auf der gesamten Geschäftsseite der Königsallee gesperrt, zwölf Stunden lang von morgens bis abends. Auch die ZDF-Krimiserie „Kommissar Stolberg“ (2006–2012) nutzte die Kö als wiederkehrenden Schauplatz.

Jüngster Neuzugang ist die Netflix-Satire „King of Stonks“ (2022), die fast komplett in Düsseldorf und Köln gedreht wurde. Neben der Königsallee und der Kniebrücke nutzte die Serie weitere Düsseldorfer Locations wie das Restaurant Da Forno an der Schwerinstraße, die Kunstsammlung Philara in Flingern und die Nachtresidenz als Club-Kulisse. Die 1851 benannte Königsallee mit ihrem Stadtgraben und der Wasserfontäne erstreckt sich über rund 850 Meter und ist jederzeit frei zugänglich. Der Name geht übrigens auf einen Besuch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. zurück, der 1848 bei einer Fahrt durch die Allee mit Pferdeäpfeln beworfen wurde – die Umbenennung war eine Entschuldigung der Düsseldorfer Bürger. Heute flanieren hier eher Filmteams als Könige.

Wer von der Kö aus ein paar Schritte Richtung Rhein geht, landet in der Altstadt – und damit in einem der ältesten Drehorte der Stadt.

Altstadt – Das Wunder von Bern, Graf Chargon und Verbotene Liebe

Burgplatz in der Düsseldorfer Altstadt
Der Burgplatz in der Düsseldorfer Altstadt mit dem historischen Schlossturm

Die Düsseldorfer Altstadt ist nicht nur die „längste Theke der Welt“ mit über 260 Gaststätten auf einem halben Quadratkilometer – sie ist auch einer der ältesten Drehorte der Stadt. Schon 1924 diente sie als Kulisse für den Stummfilm „Graf Chargon“, die wohl früheste bekannte Spielfilmproduktion in Düsseldorf. Die engen Gassen, das Kopfsteinpflaster und die historischen Fassaden rund um den Marktplatz mit dem berühmten Jan-Wellem-Reiterstandbild und dem Alten Rathaus aus dem Jahr 1573 boten damals wie heute ein ideales Setting für Geschichten, die in einer deutschen Großstadt spielen.

Gut 80 Jahre später kam Sönke Wortmann für „Das Wunder von Bern“ (2003) in die Altstadt. Sein Film über das legendäre WM-Finale 1954 und seine Auswirkungen auf eine Essener Arbeiterfamilie nutzte die Düsseldorfer Altstadt für Straßenszenen, die das Nachkriegsdeutschland mit seinen bescheidenen Kneipen und engen Wohnverhältnissen lebendig machen. Gedreht wurde auch im sogenannten „Haus Neiser“ in Düsseldorf, dazu an weiteren Orten in Duisburg, Krefeld und Oberhausen – ein typisches Beispiel dafür, wie NRW-Städte bei Großproduktionen zusammenspielen. Auch „Verbotene Liebe“ drehte regelmäßig in der Altstadt und Carlstadt – die Bar „No Limits“ an der Citadellstraße 4 in Carlstadt war eine der bekanntesten Serien-Locations. Die ZDF-Krimiserie „Kommissar Stolberg“ (2006–2012) nutzte ebenfalls diverse Altstadt-Schauplätze, von U-Bahn-Stationen bis zu Rheinuferpromenaden.

An der südlichen Königsallee ragt ein Hochhaus auf, in dem ein ganz anderer Fernsehstar zu Gast war.

LVA-Hochhaus – Tatort und Schimanski

Das Hochhaus der Deutschen Rentenversicherung Rheinland an der Königsallee 71 ist mit seinen 120 Metern eines der höchsten Gebäude in Düsseldorf. Filmfans kennen es vor allem als Tatort-Drehort: In der Folge „Hart am Limit“ wurden Szenen im dritten Obergeschoss gedreht. Auch Götz George alias Schimanski war hier zu Gast – eine Kampfszene in der Kantine des Hochhauses gehört zu den denkwürdigen Momenten der Krimireihe. Das 1978 fertiggestellte Gebäude ist von der Kö aus gut sichtbar, aber als Verwaltungssitz nicht öffentlich zugänglich. Die markante Silhouette des Hochhauses taucht auch in vielen anderen Produktionen als Hintergrundmotiv auf – wer bei Düsseldorf-Szenen genau hinschaut, erkennt es immer wieder.

Vom Bankenviertel geht es ans Wasser – in den Medienhafen, wo Düsseldorfs modernste Architektur auf Filmgeschichte trifft.

Drehorte im Medienhafen und Unterbilk

Wo früher Frachtkähne und Industriekräne das Bild bestimmten, stehen heute die geschwungenen Gehry-Bauten, gläserne Bürotürme und schicke Restaurants am Wasser. Der Medienhafen ist Düsseldorfs architektonisches Vorzeigeprojekt und gleichzeitig einer der meistgenutzten Drehorte der Stadt. Die Verwandlung vom Industriehafen zum Kreativviertel begann in den 1990er-Jahren und hat einen Stadtteil geschaffen, der wie gemacht ist für die Kamera. Gleich nebenan liegt Bilk, der mit seiner Gründerzeitarchitektur und seinen ruhigen Hinterhöfen eine ganz andere Kulisse bietet – perfekt für historische Stoffe.

Gehry-Bauten im Medienhafen Düsseldorf
Die Gehry-Bauten im Düsseldorfer Medienhafen – ikonische Kulisse für zahlreiche Film- und Serienproduktionen

Medienhafen – Alarm für Cobra 11, Verbotene Liebe und Falk

Der Medienhafen ist einer der Drehorte in Düsseldorf, der in den unterschiedlichsten Genres auftaucht. Für die RTL-Actionserie „Alarm für Cobra 11″ war er ein Glücksfall: Die futuristische Kulisse der Gehry-Bauten und die Wasserflächen des alten Hafenbeckens boten die perfekte Bühne für Motorboot-Verfolgungsjagden und spektakuläre Stunts. Die Serie, die seit 1996 läuft und zu den am längsten ausgestrahlten deutschen Serien überhaupt gehört, kehrte mehrfach in den Medienhafen zurück – die Mischung aus Wasser, moderner Architektur und breiten Kaimauern bietet Action-Regisseuren alles, was sie brauchen. Auch die ARD-Daily-Soap „Verbotene Liebe“ (1995–2015) nutzte das Viertel über Jahre hinweg regelmäßig als Außenkulisse – das fiktive Restaurant und die Stammkneipe der Serie waren im Medienhafen angesiedelt.

Einen ganz anderen Ton schlug die ARD-Anwaltsserie „Falk“ (2016–2020) an. In vier Staffeln spielte Fritz Karl darin einen unkonventionellen Mediator, der in Düsseldorf zwischen streitenden Parteien vermittelt – mit einer Mischung aus Humor und Tiefgang, die der Serie eine treue Fangemeinde einbrachte. Der Medienhafen und die nahegelegene Rheinkniebrücke dienten als wiederkehrende Drehorte und gaben der Serie ihr urbanes, modernes Flair. Der Medienhafen selbst entstand ab den 1990er-Jahren aus dem ehemaligen Rheinhafen. Architektonisches Highlight sind die drei Gehry-Bauten des Neuen Zollhofs, die Frank O. Gehry 1998 fertigstellte – drei geschwungene Gebäude aus Putz, Backstein und Edelstahl. Heute beherbergt das Viertel Werbeagenturen, Modelabels und gehobene Gastronomie. Der Hafen ist frei zugänglich und besonders abends stimmungsvoll, wenn die Gehry-Bauten von Scheinwerfern angestrahlt werden und die Restaurants an der Wasserfront ihre Terrassen öffnen. Filmfans können außerdem das ehemalige Gebäude der Film- und Medienstiftung NRW suchen, die hier bis Ende 2024 ihren Sitz hatte – Düsseldorf und die NRW-Filmbranche waren jahrzehntelang Nachbarn am Wasser.

Nur wenige Straßen südlich des Medienhafens liegt der Stadtteil Bilk, der 2021 für einige Wochen zur Zeitkapsel wurde.

Düsseldorf-Bilk – Faking Hitler

Im Frühjahr 2021 verwandelte sich ein Stück Düsseldorf-Bilk in das Hamburg der frühen 1980er-Jahre. Für die RTL+-Miniserie „Faking Hitler“ über den größten Medienskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte – die gefälschten Hitler-Tagebücher von 1983 – wurden zwischen dem 7. April und dem 29. Mai mehrere Locations im Viertel angemietet und aufwändig umgebaut. Das Café „Seifen Horst“ diente als Kulisse, die Galerie Steinreich wurde zur Schneiderei umdekoriert, und in einem Hinterhof an der Neusser Straße entstand ein komplettes Set mit Requisiten aus den 1980er-Jahren. Moritz Bleibtreu spielt in der sechsteiligen Serie den Kunstfälscher Konrad Kujau, der die angeblichen Tagebücher fabrizierte, Lars Eidinger verkörpert den Stern-Reporter Gerd Heidemann, der auf die Fälschung hereinfiel und das Magazin in eine der peinlichsten Affären der deutschen Pressegeschichte stürzte.

Bilk mit seiner Gründerzeitarchitektur und den kleinen Geschäften eignet sich hervorragend als Kulisse für historische Stoffe – die Fassaden und Hinterhöfe wirken, als wäre die Zeit stehen geblieben. Wer heute durch die Neusser Straße in Bilk spaziert, wird kaum etwas von den Dreharbeiten bemerken – die Geschäfte und Cafés sind längst wieder im Normalbetrieb. Aber wer die Serie gesehen hat, erkennt vielleicht die eine oder andere Fassade wieder.

Vom urbanen Bilk geht es in den grünen Süden, wo zwei Schlösser und ein Gymnasium auf ihre Filmgeschichte warten.

Drehorte in Düsseldorf: Benrath und Garath

Im Süden der Stadt hat Düsseldorf ein ganz anderes Gesicht. Hier, zwischen alten Bäumen und weitläufigen Parks, wo die Düssel in den Rhein mündet, stehen zwei Schlösser, die beide Filmgeschichte geschrieben haben. Schloss Benrath ist mit mindestens sieben Produktionen der meistgefilmte Ort in ganz Düsseldorf – und das aus gutem Grund: Die prachtvolle Barockanlage mit ihrem Spiegelweiher und den weitläufigen Gärten bietet Kulissen, die von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart passen. Das weniger bekannte Schloss Garath wurde dagegen durch einen einzigen, dafür umso populäreren Film deutschlandweit berühmt. Und dann ist da noch ein Gymnasium, das für eine ganze Generation von Kinogängern unvergesslich geworden ist.

Schloss Benrath in Düsseldorf
Schloss Benrath – das Barockjuwel im Düsseldorfer Süden diente als Kulisse für zahlreiche Historienfilme

Schloss Benrath – Felix Krull, Barfuß, Sisi & Ich und mehr

Kein Drehort in Düsseldorf kann mit der Filmografie von Schloss Benrath mithalten. Das spätbarocke Lustschloss, das Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz zwischen 1755 und 1770 vom Architekten Nicolas de Pigage errichten ließ, hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mindestens sieben Film- und Serienproduktionen als Kulisse gedient. Detlev Buck drehte hier 2020 drei Wochen lang für seine Thomas-Mann-Verfilmung „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (2021) mit Jannis Niewöhner und Liv Lisa Fries – das Schloss lieferte die perfekte Kulisse für die gehobene Gesellschaft der Kaiserzeit.

Schon 2005 hatte Til Schweiger den prachtvollen Spiegelsaal für eine aufwändige Tafelszene in seiner Komödie „Barfuß“ genutzt. Adrian Goigingers historisches Drama „Der Fuchs“ (2022) verlegte Palastszenen hierher, und Frauke Finsterwalders „Sisi & Ich“ (2023) mit Sandra Hüller wurde ebenfalls in Benrath gedreht. Zu den weiteren Produktionen zählen „Five Moons Plaza“ (2003) mit Donald Sutherland und „Geliebte Clara“ (2008) mit Martina Gedeck, ein Film über Clara und Robert Schumann, die ab 1850 in Düsseldorf lebten. Auch die ARD-Soap „Verbotene Liebe“ nutzte das Schloss als wiederkehrende Kulisse.

Die Parkanlage erstreckt sich über 61 Hektar und ist täglich frei zugänglich. Das Corps de Logis, der Haupttrakt des Schlosses, kann als Museum besichtigt werden. Im Inneren beeindrucken die aufwändig restaurierten Räume mit Deckenmalereien und Stuckarbeiten – genau die Kulisse, die Filmteams so schätzen. Die Düsseldorfer Filmkunstkinos veranstalteten 2023 sogar eine eigene Filmreihe unter dem Titel „Drehort Schloss Benrath“, bei der mehrere der hier gedrehten Filme direkt vor Ort gezeigt wurden. Wer sich fragt, warum so viele Regisseure immer wieder hierher kommen: Der Anblick des rosafarbenen Schlosses am Spiegelweiher beantwortet die Frage von selbst.

Nur wenige Kilometer weiter südlich liegt ein anderes Schloss, das durch einen einzigen Kinofilm deutschlandweit bekannt wurde.

Schloss Garath – Stromberg: Der Film

Schloss Garath in Düsseldorf
Schloss Garath in Düsseldorf – Drehort für Stromberg und weitere Produktionen

Als 2013 die Dreharbeiten für „Stromberg – Der Film“ liefen, wurde Schloss Garath im Süden Düsseldorfs zur Kulisse für die legendäre Führungskräfte-Party der Capitol-Versicherung. Christoph Maria Herbst alias Bernd Stromberg stolperte in den Erdgeschoss-Räumen des Schlosses durch eine der denkwürdigsten Filmszenen der deutschen Komödiengeschichte. Der Film, der am 20. Februar 2014 in die Kinos kam, war auch deshalb besonders, weil er teilweise durch Crowdfunding finanziert wurde – 3.000 Fans brachten innerhalb einer Woche eine Million Euro auf.

Das Schloss selbst geht auf eine Ersterwähnung im späten 13. Jahrhundert zurück. Das heutige dreiflügelige Herrenhaus im Stil des Neobarock wurde 1912 bis 1913 vom Architekten Max Wöhler errichtet. Der Bau vereint Elemente des Jugendstils und der Neorenaissance und wirkt von außen deutlich bescheidener als Schloss Benrath – was es als Filmkulisse für eine Bürokomödie umso passender machte. Es befindet sich in Privatbesitz und ist nicht öffentlich zugänglich, die Fassade und die Zufahrt lassen sich aber von der Straße aus gut betrachten.

Noch im selben Stadtteil liegt ein Gymnasium, das für eine Generation von Kindern zum Inbegriff einer Filmschule wurde.

Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium – Die Wilden Hühner

Das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium in Benrath war der Hauptdrehort für die Kinoverfilmung von Cornelia Funkes Bestseller „Die Wilden Hühner“ (2006, Regie: Vivian Naefe). Das Schulgebäude an der Brucknerstraße lieferte die Kulisse für die Abenteuer der Mädchenbande rund um Sprotte, Frieda, Melanie, Trude und Wilma, die sich gegen die rivalisierende Jungsbande „Die Pygmäen“ behaupten müssen. Der Film war mit über 1,5 Millionen Kinobesuchern ein großer Erfolg und sprach genau die Zielgruppe an, die auch die Bücher verschlungen hatte. So verwundert es nicht, dass die Fortsetzung „Die Wilden Hühner und das Leben“ (2009) wieder an derselben Schule gedreht wurde. Das Gymnasium liegt nur wenige Gehminuten von Schloss Benrath entfernt – wer beide Drehorte verbinden möchte, kann das bequem zu Fuß tun und dabei durch den ruhigen Stadtteil Benrath spazieren, der mit seinen Gründerzeitvillen und Alleen einen ganz eigenen Charme hat.

Vom Süden geht es nun ganz in den Norden der Stadt, wo zwei sehr unterschiedliche Drehorte warten.

Drehorte in Düsseldorf: Im Norden der Stadt

Im Norden von Düsseldorf liegen zwei Drehorte, die unterschiedlicher kaum sein könnten: ein gläserner Büroturm am Autobahnkreuz und der drittgrößte Flughafen Deutschlands. Beide sind nicht die klassischen Filmkulissen, aber genau das macht sie spannend. Der ARAG Tower steht im Film für die Eintönigkeit des Büroalltags, der Flughafen wiederum brachte Hollywood-Stars wie Vince Vaughn in die Stadt.

ARAG Tower in Düsseldorf
Der ARAG Tower im Düsseldorfer Norden – markantes Wahrzeichen und Filmkulisse

ARAG Tower – Ein Freund von mir

Für die Tragikomödie „Ein Freund von mir“ (2006) von Sebastian Schipper rückte ein 40-köpfiges Filmteam im ARAG Tower am Mörsenbroicher Ei an. Daniel Brühl spielt darin Karl, einen introvertierten Versicherungsangestellten, dessen geregeltes Leben aus den Fugen gerät, als er den chaotischen Autovermieter Hans (Jürgen Vogel) kennenlernt. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein – aber genau das macht die Freundschaft zwischen ihnen so berührend. Die Büro-Szenen im Tower waren so überzeugend, dass sich ARAG-Mitarbeiter laut eigener Aussage wie Komparsen in einem Hollywood-Film fühlten. Der Film, der am 7. Oktober 2006 in die deutschen Kinos kam, wurde auch in Berlin, Hamburg und Barcelona gedreht – doch die Düsseldorfer Szenen im ARAG Tower geben ihm seinen besonderen visuellen Charakter.

Der 2001 erbaute ARAG Tower ist mit 125 Metern eines der höchsten Gebäude der Stadt und Hauptsitz des Versicherungskonzerns. Am Autobahnkreuz Mörsenbroicher Ei gelegen, ist er eine markante Landmarke im Norden Düsseldorfs, die man schon von der Autobahn aus sieht. Die gläserne Fassade und die nüchterne Büroarchitektur passen perfekt zur Rolle des Films: Karl arbeitet hier in einem Job, der genauso steril wirkt wie das Gebäude selbst – bis Hans sein Leben durcheinander bringt. Von außen ist der Turm gut sichtbar, die Innenräume sind nicht öffentlich zugänglich.

Noch ein Stück weiter nördlich liegt der Düsseldorfer Flughafen – auch er hat eine kleine, aber feine Filmgeschichte.

Flughafen Düsseldorf – Unfinished Business und Drehkreuz Airport

Als Hollywood-Star Vince Vaughn 2014 für die Komödie „Unfinished Business“ (2015) nach Düsseldorf kam, diente der Flughafen als einer der Drehorte. In dem Film geht Vaughn zusammen mit Dave Franco und Tom Wilkinson auf eine chaotische Geschäftsreise nach Europa, die im Düsseldorfer Karneval endet – eine der wenigen Hollywood-Produktionen, die den rheinischen Karneval auf die Leinwand bringt. Der Airport wurde für Ankunfts- und Abflugszenen genutzt, die den Übergang zwischen amerikanischer und deutscher Welt markieren. Schon Jahre zuvor hatte der Flughafen Düsseldorf Fernsehgeschichte geschrieben: Die ZDF-Serie „Drehkreuz Airport“ (2000–2001) wurde direkt an Originalschauplätzen bei laufendem Flugbetrieb gedreht – eine logistische Herausforderung, die der Serie ihre besondere Authentizität verlieh.

Mit rund 25 Millionen Passagieren pro Jahr ist Düsseldorf der drittgrößte Flughafen Deutschlands. 1927 eröffnet und seitdem mehrfach modernisiert, verbindet er die Stadt mit über 200 Zielen weltweit. Für Filmproduktionen ist der Airport nicht nur als Drehort interessant – er ist auch der Grund, warum internationale Filmteams Düsseldorf so leicht erreichen. Wer nach Cloud Atlas, Felix Krull oder Unfinished Business auf dem Düsseldorfer Flughafen landet, steht bereits am ersten Drehort.

Tipps für Drehort-Fans in Düsseldorf

Geführte Filmtouren

Der beste Einstieg in die Düsseldorfer Filmwelt ist eine geführte Tour. Wer die Drehorte in Düsseldorf mit einem Guide erkunden möchte, kann die Filmtour „Von Hollywood bis Netflix“ buchen. Die 2,5-stündige Walking Tour findet sonntags um 12 Uhr statt, startet am Clayton Hotel (dem ehemaligen Nikko Hotel) an der Immermannstraße und endet am Filmmuseum. Maximal zehn Teilnehmer pro Tour sorgen für eine persönliche Atmosphäre. Der Guide zeigt die wichtigsten Drehorte vom Dreischeibenhaus über die Altstadt bis zum Medienhafen und erzählt Geschichten von den Dreharbeiten. Der Preis liegt bei etwa 35 Euro pro Person.

Filmmuseum Düsseldorf

Das Filmmuseum an der Schulstraße 4 in der Altstadt widmet sich auf 2.200 Quadratmetern und vier Etagen der Geschichte des Films. Die Dauerausstellung reicht von den optischen Spielereien und Guckkästen des 18. Jahrhunderts über die Stummfilmzeit und die Erfindung des Tonfilms bis zu modernen Produktionstechniken mit Green Screen und Digitalschnitt. Als einziges Filmmuseum in Nordrhein-Westfalen beherbergt es die Filmsammlung des Landes und zeigt regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen zu Filmthemen. Im hauseigenen Kino Black Box laufen Programmkino-Filme, Retrospektiven und Filmklassiker – oft in Originalsprache mit Untertiteln. Ein perfekter Startpunkt oder Abschluss für einen Drehorte-Tag in Düsseldorf, zumal das Museum mitten in der Altstadt liegt und fußläufig zum Dreischeibenhaus und zur Kunstakademie erreichbar ist.

Beste Reisezeit und eigene Route

Die meisten Drehorte in Düsseldorf sind ganzjährig zugänglich. Besonders lohnt sich ein Besuch im Sommer, wenn der Schlosspark Benrath in voller Blüte steht und die Außengastronomie im Medienhafen zum Verweilen einlädt. Auch auf eigene Faust lassen sich die Drehorte in Düsseldorf gut erkunden. Für eine eigene Drehort-Tour empfiehlt sich folgender Routenvorschlag: Start an der Altstadt mit Kunstakademie, Dreischeibenhaus und einem Abstecher ins Filmmuseum, weiter über die Königsallee und das LVA-Hochhaus zum Medienhafen, wo man in einem der Restaurants an der Wasserfront eine Mittagspause einlegen kann. Nachmittags geht es mit der S-Bahn nach Benrath zu Schloss und Gymnasium. Düsseldorfs öffentlicher Nahverkehr ist gut ausgebaut – die Rheinbahn bringt euch in alle Stadtteile. Die S-Bahn S6 fährt in etwa 20 Minuten vom Hauptbahnhof nach Benrath. Wer den ARAG Tower und den Flughafen im Norden mitnehmen möchte, nimmt die Straßenbahnlinie U78 Richtung Messe und plant den Abstecher auf dem Rückweg ein. Für die komplette Tour über alle Stadtteile solltet ihr einen ganzen Tag einplanen – oder die Tour auf zwei Halbtage aufteilen, einen für die Innenstadt und den Medienhafen, einen für Benrath und den Norden. Wer mit dem Auto unterwegs ist, findet in allen Stadtteilen Parkmöglichkeiten, sollte aber beachten, dass die Innenstadt mit Parkgebühren und Einbahnstraßen nicht besonders autofreundlich ist. Die Rheinbahn ist die deutlich entspanntere Alternative und bringt euch zuverlässig zu allen Drehorten.

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